Jörn Schütrumpf (Hrsg.)

Rosa Luxemburg: Die Liebesbriefe

  • Erschienen: 30. November 2011
  • Seiten: 320
  • ISBN: 978-3-320-02232-7

24,90

Rosa Luxemburg (1871–1919) ist in Deutschland eine der unbekanntesten Bekannten. Es gibt fast niemanden, der ihren Namen nicht wenigstens schon einmal gehört hat. Doch von dem, was sie gewollt hatte, weiß kaum jemand etwas.  Ihr Privatleben musste die unverheiratete Rosa Luxemburg diskret führen. Nicht zuletzt das begünstigte Klischees. Zwei sind besonders langlebig. Das eine lautet, sie sei ein Flintenweib gewesen, etwas verkrüppelt, ohne Kinder und habe Tag und Nacht nur am Umsturz gearbeitet und an nichts anderes gedacht. Das andere Klischee: Sie sei eine männerverzehrende Megäre gewesen, die sich die Kerle genommen habe, wie sie kamen.

Mit Klischees räumt man am sichersten auf, wenn man über die Sache selbst redet. In diesem Falle ist es die Liebe. Aus den in sechs Bänden verstreut vorliegenden Briefen an ihre Partner wird hier eine Auswahl vorgelegt.

Aus den Briefen:

»Geliebtes Gold, ich denke ständig an Dich und bin in all meinen Gedanken bereits mit Dir zusammen. Aber siehst Du, Affe, abscheulicher, dass ich wie immer recht habe: Ich sagte doch, dass sich Deine Abreise durch Deine Schuld verzögert?!! Natürlich durch Deine Schuld, denn wenn Du dieses dumme Referat schon geschrieben hättest, so brauchtest Du nicht bis Ende des Semesters dazusitzen! Jetzt rede nicht viel hin und her, sondern schicke mir Dein Geschmiere, und ich werde es hurtig übersetzen und zurückschicken!«
Rosa Luxemburg an Leo Jogiches, 1900

»Ich mache Dir nicht den leisesten Vorwurf und will Dein Privatleben überhaupt nicht antasten, das Dir allein gehört. Ich sehe bloß keinen Platz mehr für mich darin und kann das Unaufrichtige und Unklare in Deinem Verhältnis zu mir einfach nicht mehr aushalten. Also leb wohl.«
Rosa Luxemburg an Kostja Zetkin, 1912

»Süßer Herr, Du und die herrliche Nacht zittern mir noch in allen Gliedern, und meine wichtigste Beschäftigung hier ist, in den Erinnerungen zu wühlen mit trägen Fingern, wie in einem Korb Blumen.«
Rosa Luxemburg an Paul Levi, 1914

»… und ich bleibe dabei, dass der Charakter einer Frau sich zeigt, nicht, wo die Liebe beginnt, sondern wo sie endet.«
Rosa Luxemburg an Mathilde Jacob, 1915