Ludmila Thomas

Georgi Tschitscherin

Ich hatte die Revolution und Mozart

  • Erschienen: 4. April 2012
  • Seiten: 288
  • ISBN: 978-3-320-02275-4

28,90

Wie ist es zu erklären, dass im zaristischen Russland ein homosexueller Adliger, Spross einer Familie, aus der Diplomaten, Heerführer und Wissenschaftler hervorgingen, zum Revolutionär und führenden Bolschewik wurde? Wie bewältigte er das jahrelange Exil sowie im ersten und zugleich kompliziertesten Jahrzehnt des Sowjetstaates die schwierige Tätigkeit eines Diplomaten und Außenministers? Wie fand er schließlich seine Alternative zur Unterwerfung unter die Allmacht des heraufziehenden Stalinschen Regimes?
Georgi Tschitscherin gelang eine Symbiose aus Ideen, die er auf der Grundlage eines revolutionären Marxismus und liberalen Ansichten seines Verwandten und Förderers Boris Tschitscherin (1828–1903) entwickelte, eines Schriftstellers und Staatswissenschaftlers, der für einige Zeit zu den ranghöchsten Politikern Russlands gehört hatte. Als Berufsdiplomat bewahrte sich Tschitscherin die Überzeugung, dass zur Überwindung einer menschenfeindlichen Weltordnung revolutionäre Methoden unabdingbar seien. Von Mozart, dessen Musik er liebte und als Pianist pflegte, übernahm er das Streben nach einer immer wieder herzustellenden Harmonie zwischen Humanität und Vernunft. ‘Ich hatte die Revolution und Mozart’ – so resümierte er den ungewöhnlichen Lauf seines Lebens.