Evelin Wittich (Hrsg.)

Herbarium

  • Erschienen: 19. Mai 2016
  • Seiten: 416
  • ISBN: 978-3-320-02325-6

39,90

Rosa Luxemburg war eine erfolgreiche Journalistin, eine glänzende Rednerin – auf Polnisch wie auf Deutsch – sowie eine oft verkannte Wirtschaftswissenschaftlerin. Aus ihrer vom zaristischen Russland okkupierten Stadt der Kindheit und Jugend, Warschau, war sie im Jahre 1890 in die Schweiz gefahren: um Botanik zu studieren. Mit 42 Jahren, politisch stand Rosa Luxemburg von Tag zu Tag isolierter in der deutschen Sozialdemokratie, kam sie auf ihren ursprünglichen Berufswunsch zurück und machte ihn zu ihrem Hobby. Ab 1913 legte Rosa Luxemburg ein umfängliches Herbarium an. Sie sammelte Pflanzen, wo sie ging und stand – in der Freiheit wie im Gefängnis (1915/16, 1916–1918).

Bis Oktober 1918 füllte sie insgesamt 16 Schulhefte, deren Inhalt hier erstmals komplett veröffentlicht wird. Das Schicksal dieses Herbariums spiegelt die Wirren des 20. Jahrhunderts. Aus Rosa Luxemburgs Nachlaß, den Mathilde Jacob und Paul Levi verwalteten, geriet es in den 1930er-Jahren in die USA – im Gepäck von Verwandten Paul Levis, denen die Emigration gelang, bevor der Massenmord an den Juden begann. Es gelangte an eine Universität, die es 1976 der diplomatischen Vertretung der Volksrepublik Polen in New York übergab. Von dort wurde es dem Archiv der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei übergeben; nach dessen Auflösung galt das Herbarium lange Jahre als verschollen. Erst im Jahre 2009 wurde es im Archiv nowych act in Warschau wieder aufgefunden.