Mau_RGB_1200

Søren Mau

Stummer Zwang

Eine marxistische Analyse der ökonomischen Macht im Kapitalismus

  • Erschienen: 20. Juli 2021
  • Seiten: 360
  • Aus dem Englischen von Christian Frings
  • ISBN: 978-3-320-02384-3

29,90

»In dieser meisterhaften Studie bohrt Søren Mau methodisch in den Kern der Sache: die tief verwurzelte Macht einiger Menschen über andere, und des Kapitals über alle.«

Andreas Malm

»Der stumme Zwang der ökonomischen Verhältnisse besiegelt die Herrschaft des Kapitalisten über den Arbeiter. Außerökonomische, unmittelbare Gewalt wird zwar immer noch angewandt, aber nur ausnahmsweise. Für den gewöhnlichen Gang der Dinge kann der Arbeiter den ›Naturgesetzen der Produktion‹ überlassen bleiben, d. h. seiner aus den Produktionsbedingungen selbst entspringenden, durch sie garantierten und verewigten Abhängigkeit vom Kapital.« (Karl Marx)

Wie gelingt es dem Kapital, das gesellschaftliche Leben im Griff zu behalten? Wie ist es überhaupt möglich, dass eine Gesellschaftsordnung, die dermaßen krisenanfällig und lebensfeindlich ist, über Jahrhunderte hinweg bestehen konnte? Es besteht kein Zweifel, dass der Kapitalismus ohne die ständige Präsenz ideologischer und repressiver Macht unmöglich wäre. Aber zur Macht des Kapitals gehört mehr als das, nämlich eine Form der Macht, die genauso brutal, unerbittlich und rücksichtslos wirkt wie offene Gewalt: der »stumme Zwang« oder, wie Søren Mau sie nennt, die »ökonomische Macht«, eine unpersönliche, abstrakte und anonyme Form von Macht, die in den ökonomischen Prozessen selbst verankert ist, statt sie äußerlich zu ergänzen.

Ausgehend von einer genauen Lektüre und einer kritischen Rekonstruktion der unvollendeten Kritik der politischen Ökonomie von Marx bürstet Søren Mau diverse Machttheorien gegen den Strich und veranschaulicht seine Thesen anhand konkreter historischer Entwicklungen.

Autor: Søren Mau ist Postdoc und Mitglied im Redaktionsbeirat der Zeitschrift Historical Materalism und des Beirats der Dänischen Gesellschaft für Marxistische Studien. Das vorliegende Buch ist die überarbeitete Erstausgabe seiner Promotionsschrift am Institut für Kulturstudien der Süddänischen Universität (SDU) »Mute Compulsion. A Theory of the Economic Power of Capital«.

Autor Vorwort: Michael Heinrich hat sich in »Die Wissenschaft vom Wert« kritisch mit der Entwicklung der marxschen Ökonomiekritik auseinandergesetzt. Seine Einführung ins und die Kommentare zum marxschen »Kapital« sowie die auf vier Bände angelegte Marx-Biografie sind in mehrere Sprachen übersetzt worden.

Übersetzer: Christian Frings ist Autor und Übersetzer, unter anderem von David Harvey. Seit den 1970er-Jahren beschäftigt er sich mit der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx und Fragen der globalen Klassenkämpfe.

Inhalt

  • Vorwort von Michael Heinrich

Einleitung

  • Die Macht der Gewalt, der Ideologie und der Ökonomie
  • Die Ökonomie: ein System der Herrschaft
  • Die Ökonomie in der Gesellschaftstheorie
  • Die unvollendete Kritik von Marx
  • Das Wesen des Kapitalismus
  • Abstraktionen
  • Überblick

Teil I: Bedingungen

1.

  • Macht und Kapital – die Begrifflichkeit
  • Macht, Herrschaft, Gewalt
  • Der Begriff der Macht
  • Foucault
  • Kapital: eine soziale Logik
  • Ist das Kapital ein Subjekt?
  • Kapital als emergente Eigenschaft

2

  • Marxismus und Macht
  • Historischer Materialismus
  • Staatstheorien
  • Ideologietheorien
  • Theorien der ökonomischen Macht

3

  • Die soziale Ontologie der ökonomischen Macht
  • Die Notwendigkeit einer sozialen Ontologie
  • Relationen und Relata
  • Das menschliche Wesen
  • Eine romantische Kritik der Entfremdung
  • Abrechnungen

4

  • Die körperliche Organisation des Menschen
  • Stoffwechsel und Bedürfnisse
  • Die Struktur des menschlichen Körpers
  • Gesellschaftliche Werkzeugmacherinnen
  • Die ursprüngliche Spaltung

5

  • Stoffwechselmacht
  • Weisen, Verhältnisse, Kräfte, Geschichte
  • Die Bedeutung des Materialismus
  • Wie Mehrarbeit herausgepumpt wird

Teil II: Beziehungen

6

  • Transzendentale Klassenherrschaft
  • Die Erzeugung von Abhängigkeit
  • Der Begriff der Klasse
  • Proletarierinnen und Arbeiterinnen
  • Transzendentale Verschuldung
  • Unpersönliche Klassenherrschaft
  • Einheit-in-Trennung
  • Transzendentale Macht
  • Ein biopolitischer Bruch

7

  • Kapitalismus und Differenz
  • Das notwendige Außen
  • Was bezeichnet der Name »Frau«?
  • Methode und Politik
  • Kapital und Rassismus
  • Die Produktion von Differenz

8

  • Die universelle Macht des Werts
  • Horizontale Beziehungen
  • Wert ist Form
  • Wert ist Herrschaft
  • Was ist Fetischismus?
  • Postones Interpretation

9

  • Wert, Klasse und Konkurrenz
  • Das Verschwinden der Klasse
  • Kein Wert ohne Klasse
  • Rückkehr zur Klasse
  • Verschieden, aber zusammenhängend
  • Systematische Konfusion
  • Der Vollstrecker
  • Feindliche Brüder

Teil III: Dynamik

10

  • Die Despotie der Subsumtion
  • Die Einheit von Anarchie und Despotie
  • Persönlich oder unpersönlich?
  • Subsumtion: formell und reell
  • Körperliche Kalibrierung
  • Die Herrschaft der abstrakten Zeit
  • Die Umstrukturierung von Qualifikationen
  • »Eine sie beherrschende Einheit«
  • Die totale Subsumtion von allem?

11

  • Die kapitalistische Umgestaltung der Natur
  • Die reelle Subsumtion der Natur
  • Vom Wasser über Kohle zum Erdöl
  • Die reelle Subsumtion der Landwirtschaft
  • Agrartechnologien
  • Landwirtschaftliche Arbeitsteilung
  • Die globale Expansion der kapitalistischen Landwirtschaft

12

  • Logistische Macht
  • Marx zur Logistik
  • Die logistische Revolution
  • Logistik als Gewalt
  • Logistik als Biopolitik
  • Logistik als stummer Zwang
  • Engpässe
  • Die Produktion des Kapitalismus

13

  • Überschussbevölkerung und Krise
  • Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation
  • Überschussbevölkerung als ein Mechanismus der Herrschaft
  • Die Ursachen der Krisen
  • Krisen als eine Quelle der Macht
  • Eine Weise der Ausgleichung
  • Negation als Bedingung
  • Fazit