Günter Krause (Hrsg.)

Keynes als Alternative(r)?

Argumente für eine gerechtere Wirtschaft

  • Erschienen: 4. Oktober 2007
  • Seiten: 250
  • ISBN: 978-3-320-02111-5

19,90

Das Verhältnis der Linken zu Keynes ist keine Liebesaffäre und dieses Buch keine tour d’amour. Bis heute steht die ökonomisch gebildete Diskussion demokratischer Linker unter dem Einfluß zweier Giganten – Marx und Keynes. Der deutsche Emigrant Karl Marx hat im »Kapital« sein 1843 entwickeltes Programm der »Kritik der Erde« realisiert, um aus der Kritik der bürgerlichen Produktionsweise die Möglichkeit und Notwendigkeit der allgemeinen Emanzipation von den Antagonismen eines auf Ausbeutung und Unterdrückung beruhenden Fortschritts nachzuweisen. Der britische Lord John Maynard Keynes dagegen hatte sich einer vielleicht nicht weniger anspruchsvollen Aufgabe verschrieben: die theoretischen Grundlagen für einen »klug geleiteten Kapitalismus« zu schaffen.

Der Gegensatz von Marx und Keynes ist durch den Ausgang des 20. Jahrhunderts zu einem inneren Gegensatz einer sich erneuernden Linken geworden. Das ökonomische Modell einer zentralstaatlich gesteuerten Gemeinwirtschaft ist mit dem Staatskommunismus gescheitert. Alle Versuche, die Wirtschaft dem Markt und den Markt sich selbst (d. h. den machtstärksten Akteuren) zu überlassen bzw. Wirtschaftspolitik darauf zu reduzieren, den perfekten Markt durchzusetzen und dabei die Unternehmensmacht zu stärken und die der Lohnabhängigen, der Regionen, Umweltinteressen usw. zu schwächen, haben die Welt immer zu Katastrophen geführt …

Wenn es richtig ist, dass eine Rückkehr weder zur linken Utopie eines Staatskommunismus noch zur rechten Utopie einer kapitalistischen Marktgesellschaft einen überzeugenden Ausweg darstellt, dann ist die Linke gezwungen, sich Keynes zuzuwenden und dabei Marx nicht links liegen zu lassen … 

(Aus dem Vorwort von Michael Brie)