DIE GROSSEN FRAGEN UNSERER ZEIT verlangen neue Antworten – und eine Rückbesinnung auf historische Erfahrungen. In einer Gegenwart, die von vielen Krisen geprägt ist, rückt die Frage nach gesellschaftlicher Gestaltung wieder ins Zentrum. Was heißt es, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie gemeinsam zu verändern?
Wera Sassulitsch, die mutige Revolutionärin aus Russland, verkörperte beispielhaft die Spannung zwischen individueller Haltung und den Anforderungen einer kollektiven Bewegung. Das zeigt Stephan Rindlisbacher in einem neuen Band der Reihe »Biografische Miniaturen«. Ihr Leben, geprägt von Widerstand, Exil und intellektueller Leidenschaft, erinnert daran, dass politische Kämpfe immer auch menschliche Kämpfe um Anerkennung und Zugehörigkeit sind.
Karl Marx hat den Blick dorthin gelenkt, wo gesellschaftliche Macht entsteht: in die Fabrik, in die Organisation der Arbeit, in die Strukturen von Herrschaft. Die Arbeitssoziologin Sarah Nies zeigt im zweiten Band unserer neuen Reihe »Marx als …«, dass ohne ein Verständnis der innerbetrieblichen Dynamiken keine Analyse des Kapitalismus möglich ist – damals nicht und heute, im Zeitalter digitaler Technologien und Künstlicher Intelligenz, erst recht nicht.
Ergänzend erscheint eine Neuausgabe von MEW 24, nun erstmals mit einem Vorwort zur Editionsgeschichte und mit Auszügen aus Manuskripten zum zweiten Band des »Kapitals«, die Friedrich Engels nicht in die Druckfassung aufgenommen hat.
Werner Abel widmet sich in »Partei gegen Intellektuelle« einer fast vergessenen Institution des Spanischen Bürgerkriegs: der Kommission für ausländische Kader beim ZK der Kommunistischen Partei Spaniens. Sein Buch rekonstruiert erstmals die Geschichte dieser verborgenen Machtzentrale, deren Einfluss bis nach Moskau reichte. Von einem erstarrenden Machtapparat handelt »1976. Die Krise der DDR« von Karsten Krampitz. Die Neuauflage seines ursprünglich im Verbrecher Verlag erschienenen Buches erzählt von einem Staat am Wendepunkt und fragt, was aus seinen Idealen geworden ist.
Und schließlich ein Blick nach vorn: Wie wollen wir die Zukunft gestalten? Cédric Durand und Razmig Keucheyan fordern in »Das Prinzip Verzweigung« die Rückkehr zur Planung – nicht als technokratische Kontrolle, sondern als demokratisches Instrument kollektiver Verantwortung. Ihre Vision einer dezentralen, partizipativen und ökologischen Planung verbindet die Idee der Freiheit mit der Notwendigkeit der Anerkennung ökologischer Grenzen.
Emanzipatorische gesellschaftliche Veränderung beginnt damit, dass wir die Zukunft denken – kollektiv, gerecht und verantwortungsvoll. Unsere Bücher öffnen Räume für dieses Nachdenken: über Arbeit und Planung, über Erinnerung und Solidarität. Sie verbinden politische Analyse mit dem Vertrauen in die Gestaltbarkeit der Welt. In diesem Sinn verstehen wir unser Programm als Einladung, weiterzudenken – kritisch, offen und solidarisch.
Martin Beck
Verlagsleiter
