Karl Marx kritisierte die liberale Demokratie als Form der Herrschaft der Bourgeoisie und war zugleich radikaler Verfechter demokratischer Selbstbestimmung. Damit brachte er die grundlegende Ambivalenz von Demokratie auf den Punkt: In ihrem Namen wird Herrschaft ausgeübt und zurückgewiesen. Marx vollzieht diese Ambivalenz in seinem Denken selbst nach – historisch wie theoretisch: Er demonstriert die historischen Begrenzungen demokratischer Konzepte und Praxis und deren zukünftige Möglichkeiten bis zur äußersten Entfaltung. Für ihn gehört in eine radikale Perspektive der Emanzipation auch, dass der Begriff der Demokratie sich selbst historisch überflüssig macht.
Alex Demirović zeigt, wie sich Karl Marx’ Verständnis von Demokratie vor dem Hintergrund politischer Enttäuschungen und Analysen im Lauf der Zeit verändert hat. Es sind vor allem Marx’ grundlegende Überlegungen zum Kapital und zur Stellung von Freiheit und Gleichheit, die sein Verständnis von Demokratie geprägt haben. Dem umfangreichen Essay von Demirović sind Texte von Marx beigegeben. Sie veranschaulichen dessen kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema am Beispiel von Pressefreiheit und Vertragstheorie, Staat, Parlamentarismus und Rätedemokratie sowie Freiheit und Gleichheit als Ideologieform.
Alex Demirović, geb. 1952, ist apl. Prof. an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Senior Fellow der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Permanent Fellow des Centre for Social Critique sowie Host des Theoriepodcasts »tl;dr – too long, didn’t read«. Die Arbeitsschwerpunkte des Sozialwissenschaftlers sind materialistische Gesellschaftstheorie, Demokratie und Sozialismus.
Inhalt
Marx als Demokrat oder: Das Ende der Politik
Alex Demirović
- Demokratie und Totalitätskritik
- Phasen der Demokratieanalyse im Werk von Marx
- Radikale Demokratie
- Kritik der Politik
- Soziale Kooperation und der Kampf um demokratische Allgemeinheit
- Demokratische Revolution und Parlament
- Parlamentarische Demokratie als Form der Selbstorganisation der herrschenden Klassen
- Die Vernunftsnormen als Alltagsreligion und der Kampf um demokratisches Wissen
- Auf der Suche nach Demokratie
- Schlussbemerkung
- Anmerkungen
Texte von Karl Marx und Friedrich Engels
- Deine Freiheit ist nicht meine Freiheit
Marx: Debatten über die Preßfreiheit, 1842
- Demokratie, das aufgelöste Rätsel aller Verfassungen
Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, 1843
- Menschenrecht des Privateigentums
Marx: Zur Judenfrage, 1844
- Terror und Menschenrecht
Marx/Engels: Die Heilige Familie, oder Kritik der kritischen Kritik, 1845
- Demokratie als Bewegungsform
Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, 1845/46
- Die freie Entwicklung aller
Marx/Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, 1848
- Der verselbstständigte Staat
Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, 1852
- Freiheit, Gleichheit, Tauschgesellschaft
Marx: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 1857/58
- Die endlich entdeckte politische Form
Marx: Der Bürgerkrieg in Frankreich, 1871
- Ein Aufstand wäre eine Dummheit
Marx: Aufzeichnung eines Interviews aus der Zeitung The World, 1871
- Verpestet durch Untertanenglauben an den Staat
Marx: Kritik des Gothaer Programms, 1875
Anhang
Ausgewählte Literatur zum Weiterlesen
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