Wie lässt sich der ökologische Zusammenbruch aufhalten, wenn Marktmechanismen systematisch versagen? In »Das Prinzip der Verzweigung« stellen Cédric Durand und Razmig Keucheyan die ökologische Planung ins Zentrum einer realistischen Ausstiegsstrategie aus der Klimakrise.
Ausgehend von der Einsicht, dass Kapitalismus und ökologische Stabilität unvereinbar sind, argumentieren sie für eine bewusste, kollektive Steuerung von Produktion, Konsum, Infrastruktur und Ressourcen. Gegen die Mythen von grünem Wachstum und individueller Verhaltensänderung entwickeln sie die Prinzipien einer demokratischen Planung, die Prioritäten setzt und gesellschaftliche Bedürfnisse politisch bestimmt.
Dabei knüpfen sie an historische Erfahrungen der Wirtschaftsplanung in Krisen- und Kriegszeiten an – und denken sie radikal neu: dezentral, partizipativ und ökologisch. Gegen die Ideologie des freien Marktes formulieren sie die Prinzipien einer planbaren Zukunft, in der gesellschaftliche Bedürfnisse und ökologische Realitäten wieder zur Deckung kommen. Ein präzises, theoretisch fundiertes Buch, das Planung nicht als technokratisches Relikt, sondern als unverzichtbares Instrument ökologischer Transformation neu denkt.
Cédric Durand, geb. 1975, ist Ökonom und Professor an der Universität Genf, bekannt für seine Arbeiten zur politischen Ökonomie des Kapitalismus.
Razmig Keucheyan, geb. 1975, ist Soziologe, Professor an der Universität Paris Cité und Autor zentraler Beiträge zur kritischen Theorie und politischen Ökologie.
Inhalt (Inhaltsverzeichnis als PDF)
Einleitung. Mögliche Welten
1. Teil
Markt, Staat und die ökologische Krise
1 — Grüner Kapitalismus, ein Widerspruch in sich
- Wirtschaftswachstum als Fressfeind der Natur
- Nötig ist ein echter Strukturwandel
- Investitionen
- Die Anarchie des kapitalistischen Marktes
- Der Neo-Industrialismus und seine Grenzen
2 — Wirtschaft ist politisch Kriegswirtschaft
- Pandemie
- Die Klima-Raum-Zeit
- Vergesellschaftung
- Das geistige Kapital der lebenden Menschheit
- Finanzkonzentration
- Die Politik hat das Sagen
- Der sozialisierende Staat
2. Teil
Bedarfsbewirtschaftung
3 — Die doppelte Universalität der Bedürfnisse
- Eine Spezies im Griff ihrer Bedürfnisse
- Die Bedürfnisse des Kapitals
- Kein Kapitalismus in Reinform
- Happiness Studies
- Wunsch oder Bedürfnis?
- Infrastruktur der Bedürfnisse
- Ein menschenwürdiges Leben
- Echte Bedürfnisse
4 — Die Kontrolle wiedererlangen
- Kontrollverlust
- Zwei Arten der Kommodifizierung
- Die Kostennutzenrechnung als Luftschloss
- Effizienz oder Effektivität – das ist die Frage!
- Das Gebot der Naturalrechnung
- Die Grammatik ökonomischer Kalkulation
- Das Trilemma der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus
- Die Grammatik der Naturalrechnung
- Der demokratische Kampf ums Fachwissen
- Politisches, Technisches und Persönliches
3. Teil
Die ökologische Wirtschaftsrechnung
Zur Methodik institutioneller Utopien
- Emanzipatorische Sozialwissenschaften
- Ein Kompass
5 — Ökologische Buchführung
- Digitales Maßhalten
- Künstliche Himmelskörper
- Die funktionale Abbildung der planetaren Grenzen
- Ein »integrierter Ansatz« für den Profit
- We Care About Nature
- Entwurf einer makroökonomischen Steuerung
6 — Ökosozialistische Investitionen
- Das Modell von Michel Husson
- Modellierung einer Ökonomie durch Vergesellschaftung der Investitionen
- Das Elend des »de-risking«
- Die Aporie einer konservativen Transformation
- Geldpolitik und grüner Extraktivismus
- Politische Prioritäten verantworten
- Investitionen vergesellschaften und Arbeit befreien
- Wer investiert in materielles Negativwachstum?
- Mit Beschäftigungsgarantie zu sinnvollen Arbeitsplätze
7 — Emanzipierte Nachfrage
- Der Teufelskreis individueller Verantwortlichkeit
- Jenseits von Produktion und Konsumtion
- Schumpeter aufseiten der Nachfrage
- C2M integriert Plan und Dynamik
- Traffic als Dilemma
- Das höchste Stadium der Entfremdung
- Die Vergesellschaftung des Onlinehandels
4. Teil
Eine neue politische Ordnung
8 — Ökologischer Föderalismus
- Ebenen und Spielräume
- Chinesische Lektionen
- Dezentraler Autoritarismus
- Der politische Horizont im Planungszyklus
- Planung und Verwaltung
9 — Die politischen Institutionen der ökologischen Planwirtschaft
- Postwachstumskommissionen
- Grüne Verfassungen
- Der öffentliche Dienst
10 — Erweiterte Demokratie
- Föderalismus gegen Kretinismus
- Wirtschaftsdemokratie mit Cyberräten?
- Kann und muss: Repräsentation
- Vollzug der ökologischen Planung
11 — Der Weg zur Mehrheit
- Doppelt repräsentiert, doppelt gewichtet
- Die Grünwesten
- Ökosoziale Kombinationen
- Der Staat und der ökologische Richtungswechsel
Fazit
- Reibungen
- Internationalismus
Danksagung
Literatur
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