Im Jahr 1976 gerät die DDR ins Wanken. Zwischen Parteidisziplin und wachsendem Zweifel zeigen sich erste Risse im sozialistischen Selbstverständnis: Der Tod des Fernfahrers Benito Corghi an der Grenze, die Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz und die Ausbürgerung Wolf Biermanns markieren ein Jahr der Krise.
In der überarbeiteten Neuauflage seines ursprünglich im Verbrecher Verlag erschienenen Buches »1976. Die DDR in der Krise« erzählt Karsten Krampitz von einem Staat, der seine Bürger immer stärker verbittert und zugleich das Zutrauen in seine eigene Zukunft verliert. Mit scharfem Blick und literarischer Präzision zeichnet er das Bild einer Gesellschaft zwischen Anpassung und Aufbegehren – eines Systems, das im Versuch, Stabilität zu wahren, seine Legitimation verspielt. Ein eindringliches Zeitporträt über den Beginn vom Ende der DDR.
Karsten Krampitz, geb. 1969 in Rüdersdorf, ist Historiker und Schriftsteller. Er schrieb für Straßenzeitungen, war an der Besetzung von Luxushotels beteiligt und Mitgründer von Mondkalb – Zeitung für das Organisierte Gebrechen. Sein Roman »Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung« wurde von der Kaspar Hauser Stiftung mit dem Matthias-Vernaldi-Preis für selbstbestimmtes Leben 2025 ausgezeichnet.
Inhalt (Inhaltsverzeichnis als PDF)
Prolog
- Problemzone Ostdeutschland in Forschung und Literatur
- Rechte Demagogen
- Kein Untergang der DDR
- Blick zurück
Aufbruch und Stillstand: Die DDR zu Beginn der Honecker-Ära
- Keine Tabus?
- Depression und Repression
- Helsinki
Berliner Geschichten: Ein Buch sorgt für Unruhe
- Keine Zensur?
- »… den Sozialismus diffamierende Darstellung«
- Gerüchte und Gespräche
- »Berliner Schriftsteller erzählen«
- Nachtrag
Feindwärts der Sperranlagen: Der Tod des Michael Gartenschläger
- Die Vorgeschichte
- Räuberpistole
- Das Ende
- Nächste Instanz
Der IX. Parteitag
- Die Partei im Palazzo
- Nachtrag
Das Ministerium für Staatssicherheit
Tausend Jahre Altenburg – die große Blues-Bambule
Sport und Nation: Die DDR bei den Olympischen Spielen
- Montreal
- Traurige Spiele
- Bilanz
»Jahrelang war Moskau unser Rom«
Die Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien Europas am 29. und 30. Juni in Ostberlin
- Kleine Geschichte einer großen Bewegung
- Ungewohnte Offenheit
- »Unqualifizierte Ausfälle«
- Exkurs Eurokommunismus
- Berlinguer vs. Breschnew
- Anfang vom Ende
Tod eines italienischen Kommunisten
- L’Unita
- Das Medienecho
- KP-Chef Berlinguer schweigt
Der Fall Oskar Brüsewitz
- Das vergessene Denkmal
- Funkspruch an alle
- Feuerzeichen und Suizid
- Das Reich Gottes und der Bolschewismus
- »Du sollst nicht falsch Zeugnis reden«
- Die Gegendarstellung
- Ein konterrevolutionärer Akt
Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann
- »… dass sich die Partei weiter um ihn kümmert«
- Die Ausbürgerung
- Das Konzert
- Reaktionen im Kulturbereich und in der Kirche
Unter Hausarrest: Robert Havemann
- Fragen Antworten Fragen – zum Werk und zur Biografie Havemanns
- Die Partei im Dilemma
- Prozess und Urteil
Ausklang
Danksagung
Literatur und Quellen
Personenverzeichnis
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