DIE VORGÄNGE UM DEN Deutschen Buchhandelspreis und Kulturstaatssekretär Weimers Vorgehen zeigen, dass die Auseinandersetzung um Kultur, Öffentlichkeit und Kunstförderung längst politisiert ist. Der Buchhandel ist dabei exemplarisch Ort und Zielscheibe zugleich. In einer Zeit, in der kulturelle Räume unter Druck geraten, gewinnt das Buch als Medium der Analyse, Archivierung und Intervention neue Bedeutung.
Die Titel unseres Herbstprogramms setzen genau hier an: Sie greifen in aktuelle Debatten ein, historisieren Konfliktlinien und entwerfen Perspektiven jenseits des Bestehenden.
Ein besonderer Fokus liegt dieses Mal auf der Auseinandersetzung mit Antifaschismus – als Praxis, als umkämpfter Begriff und als visuelle Kultur. »Antifa-Logo-Archiv« präsentiert eine große Zusammenstellung antifaschistischer Bildzeichen, die aus verschiedenen Zusammenhängen und Zeiten stammen. Mit über 3000 Logos, Stickern und grafischen Variationen dokumentiert der Band die visuelle Geschichte einer internationalen Bewegung, die zugleich divers, anpassungsfähig und lokal verankert ist. Ein einzigartiges Kompendium!
Der Sammelband »Falsches Feindbild: Antifaschismus« verschiebt die Perspektive von der Ikonografie zur politischen Analyse. Er beleuchtet die zunehmende Kriminalisierung antifaschistischer Praxis, untersucht staatliche Repression – etwa im Kontext des sogenannten Budapest-Komplexes und des Prozesses gegen Maja T. – und fragt nach den Bedingungen demokratischer Gegenwehr angesichts eines erstarkenden Autoritarismus.
Auch die anderen Titel sind von der Suche nach Alternativen geprägt: Aaron Benanav entwickelt in »Jenseits des Kapitalismus« eine eigenständige Theorie postkapitalistischer Organisation jenseits von Markt und Plan, während der Band »Digitale Solidarität« von Aline Blankertz und Malte Engeler aus der Reihe »Analysen« die Grundlagen kapitalistischer Technologie kritisch hinterfragt und Perspektiven solidarischer Digitalisierung entwirft.
Mit Editionen zentraler Texte von Nicos Poulantzas und der Briefe Clara Zetkins sowie einer Bewertung von Marx’ Verhältnis zum Rassismus, mit der wir die Reihe »Marx als …« fortsetzen, wird zudem die historische und theoretische Tiefe erweitert. Diese Bücher greifen nicht nur in aktuelle Debatten ein, sondern stellen auch die Werkzeuge bereit, um sie zu führen. Das gilt nicht zuletzt für Band 8 der Gesammelten Werke von Rosa Luxemburg, mit dem nach neun Jahren die in den 1970er-Jahren begonnene Edition um die polnischen Schriften der überzeugten Internationalistin ergänzt wird.
In einer Situation, in der Kulturpolitik, Öffentlichkeit und kritisches Denken neu verhandelt werden, versteht sich dieses Programm als Beitrag zur Klärung – und zur Einmischung.
Martin Beck
Verlagsleiter
