Thomas, Ludmilla: Georgi Tschitscherin


Thomas, Ludmilla: Georgi Tschitscherin

Artikel-Nr.: 02275-4
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Ich hatte die Revolution und Mozart.
Übersetzt aus dem Russischen von Helmut Ettinger.
288 Seiten, 25 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag.

ISBN 978-3-320-02275-4

Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2012

»Die Diktatur der Schwätzer über die Arbeitenden« überschrieb Georgi Tschitscherin 1930 sein letztes dienstliches Schreiben als sowjetischer Außenminister: »Seit 1929 sind die Schleusen für jegliche Demagogie geöffnet worden. Und für Unfug aller Art. Jetzt braucht man nicht mehr zu arbeiten, man braucht nur ›in der Praxis gegen die Rechtsabweichung kämpfen‹. Das bedeutet, ein Meer von Gezänk, Intrigen und Denunziationen. Dieser entsetzliche Niedergang des Staatsapparates ist besonders bei uns zu spüren, wo die Arbeit keinen Aufschub duldet. Man kann die Eröffnung von Krankenhäusern und Schulen vertagen und sich erst einmal mit dem Kampf gegen die rechte Abweichung in der Praxis beschäftigen, aber internationale Angelegenheiten kann man nicht aufschieben. Die Demagogie … ist schier unerträglich.«

Wie ist es zu erklären, dass ein homosexueller Adliger, Spross einer Familie, die russische Diplomaten, Heerführer und Wissenschaftler hervorgebracht hatte, zum Revolutionär und führenden Bolschewik und dann zu einem ihrer schärfsten Kritiker wurde?

Ludmila Thomas zeichnet das Leben Georgi Tschitscherins nach: seine Kindheit und Jugend in einem ungewöhnlich liberalen Klima, wie es in Russland nur im Hochadel gelebt werden konnte, sein Exil in verschiedenen Staaten Europas samt konspirativer Arbeit, schließlich seine Tätigkeit als Diplomat und Außenminister eines verhassten und gefürchteten Staates – und dann seine Abwendung.

Von Mozart, dessen Musik Tschitscherin liebte und als Pianist pflegte, hatte er das Streben nach einer immer wieder herzustellenden Harmonie zwischen Humanität und Vernunft übernommen. Auch seine letzte Arbeit galt dem musikalischen Genie. »Ich hatte die Revolution und Mozart; Revolution ist die Gegenwart, aber Mozart ist der Vorgeschmack der Zukunft« – so resümierte er den ungewöhnlichen Lauf seines Lebens.

Tschitscherin (Jg. 1872) starb 1936, wenige Monate bevor die Stalinisten das Land mit dem »Großen Terror« überzogen.

»Von besonderem Interesse sind die Teile des Buches, in denen die Korrespondenz des Volkskommissars Tschitscherin mit sowjetischen Diplomaten in Deutschland – Adolf Joffe, Viktor Kopp und anderen – ausführlich dargestellt wird. Nicht weniger wichtig sind seine Kontakte zu deutschen Politikern, darunter seine engen Beziehungen zum deutschen Botschafter in Moskau, Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau.«
Alexander Tschubarjan
, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften.

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