Krause, Günter (Hrsg.): Keynes als Alternative(r)?


Krause, Günter (Hrsg.): Keynes als Alternative(r)?

Artikel-Nr.: 02111-5
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Argumente für eine gerechtere Wirtschaft.
Reihe Schriften der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bd. 14
Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2007 272 Seiten, Hardcover.

Das Verhältnis der Linken zu Keynes ist keine Liebesaffäre und dieses Buch keine tour d’amour. Bis heute steht die ökonomisch gebildete Diskussion demokratischer Linker unter dem Einfluß zweier Giganten – Marx und Keynes. Der deutsche Emigrant Karl Marx hat im »Kapital« sein 1843 entwickeltes Programm der »Kritik der Erde« realisiert, um aus der Kritik der bürgerlichen Produktionsweise die Möglichkeit und Notwendigkeit der allgemeinen Emanzipation von den Antagonismen eines auf Ausbeutung und Unterdrückung beruhenden Fortschritts nachzuweisen. Der britische Lord John Maynard Keynes dagegen hatte sich einer vielleicht nicht weniger anspruchsvollen Aufgabe verschrieben: die theoretischen Grundlagen für einen »klug geleiteten Kapitalismus« zu schaffen.
Der Gegensatz von Marx und Keynes ist durch den Ausgang des 20. Jahrhunderts zu einem inneren Gegensatz einer sich erneuernden Linken geworden. Das ökonomische Modell einer zentralstaatlich gesteuerten Gemeinwirtschaft ist mit dem Staatskommunismus gescheitert. Alle Versuche, die Wirtschaft dem Markt und den Markt sich selbst (d. h. den machtstärksten Akteuren) zu überlassen bzw. Wirtschaftspolitik darauf zu reduzieren, den perfekten Markt durchzusetzen und dabei die Unternehmensmacht zu stärken und die der Lohnabhängigen, der Regionen, Umweltinteressen usw. zu schwächen, haben die Welt immer zu Katastrophen geführt ... Wenn es richtig ist, daß eine Rückkehr weder zur linken Utopie eines Staatskommunismus noch zur rechten Utopie einer kapitalistischen Marktgesellschaft einen überzeugenden Ausweg darstellt, dann ist die Linke gezwungen, sich Keynes zuzuwenden und dabei Marx nicht links liegen zu lassen ...
Die Aufgabe einer erneuerten Linken könnte nicht zuletzt darin bestehen, der Marxschen Forderung, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«, nachzukommen und dies nicht jenseits der Institutionen der Moderne, sondern auf dem Boden, d. h. auch auf dem Boden komplexer Märkte und ihrer gesellschaftlichen Steuerung, einer Wirtschaft mit einer Pluralität von Eigentumsformen, demokratisch selektiert nach dem Maßstab ihrer sozialen und ökologischen Wirkung. Dann muß die Frage von Eigentum, Macht und Hegemonie und des Kampfes um ihre grundlegende Umgestaltung wieder zentraler Bestandteil einer Linken und ihrer Diskussionen werden. Wer sich diesem Ziel verpflichtet weiß, wird in dem vor liegenden Buch entscheidende wirtschaftswissenschaftliche und politökonomische Denkanstöße finden – beginnend bei tiefen Einsichten in das Werk von Keynes bis hin zu den aktuellen Fragen einer neuen Vollbeschäftigung, Regionalpolitik, europäischer Wirtschaftspolitik und Nachhaltigkeit.
Aus dem Vorwort von Michael Brie

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