Schälike, Waltraut: »Ich wollte keine Deutsche sein«


Schälike, Waltraut: »Ich wollte keine Deutsche sein«

Artikel-Nr.: 02082-8
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Aus dem Russischen und herausgegeben von Frank Preiß,
unter Mitarbeit von Ruth Stoljarowa und Karl Harms.
344 Seiten, mit 90 Abbildungen, gebunden.
Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2006

Von 1931 bis 1948 lebte Waltraut Schälike im berühmt-berüchtigten Hotel »Lux«, der Moskauer Herberge für ausländische Kommunisten; länger als jeder andere Deutsche. Nur während des Krieges war sie wie alle anderen Emigranten fern von Moskau.

Frank Preiß traf die bald Achtzigjährige im vergangenen Sommer auf ihrer Datscha. Was die Tochter aus kommunistischem Hause über das Leben im »Lux« berichtet, geht weit über das hinaus, was prominente Gäste wie Wolfgang Leonhard und Ruth von Meyenburg mitteilten. Denn Waltraut Schälike verbrachte nicht nur ihre Kindheit und Jugend dort, sondern erlebte das »Lux« auch aus verschiedenen »sozialen Perspektiven«.

Zuerst als privilegierte Tochter eines hochgeachteten deutschen Kommunisten, der in Berlin schon 1918 auf den Barrikaden gestanden und Anfang der zwanziger Jahre den »Verlag der Jugendinternationale« gegründet und geleitet hatte. Später als Tochter zweier Kommunisten, die 1938 gegen die Verhaftung ihres besten Freundes, des ersten Mannes von Lotte Ulbricht und späteren stellvertretenden Kulturministers der DDR, Erich Wendt, protestiert und deshalb Arbeit und Einkommen verloren hatten. Doch die erwartete Verhaftung der Eltern unterblieb, denn Erich Wendt widerstand der Folter und wurde »rehabilitiert«.

Nach dem Krieg – Hitler und Stalin hatten die Reihen der deutschen Kommunisten gelichtet – wurde der Verleger Fritz Schälike trotz eines schweren Augenleidens wieder benötigt, zuerst in Dresden, dann in Berlin, wo er den Verlag der SED, den Dietz Verlag, aufbaute und bis 1963 leitete.

Waltraut Schälikes Weg kreuzten viele Menschen mit großen Namen: Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, aber auch die Kinder von Stalin und anderer Großkopfeten des Sowjetstaates wie Molotow und Mikojan, mit denen sie zur Schule ging. Stalins Tochter, die heute zurückgezogen bei London lebt, hielt bei politischen Auseinandersetzungen mehr als einmal die Hand über die oft naive Waltraut aus Berlin. Nach Hitlers Krieg blieb sie allein in der Sowjetunion zurück.

Mit ihrem Lebensweg eignete sie sich aber nicht zur Stalinistin; deshalb ließ sie sich nach der Ausbildung ins ferne Kirgisien schicken. Sie ist heute eine angesehene Marxforscherin.
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