Schütt, Hans-Dieter: »Nicht gegen mein Gewissen«


Schütt, Hans-Dieter: »Nicht gegen mein Gewissen«

Artikel-Nr.: 02071-2
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Gespräche mit Felicia Langer.
190 Seiten 11 Fotos, Broschur.
Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2005

Der Konflikt zwischen Israel und dem palästinensischen Volk ist einer der größten, härtesten und schwierigsten Zerreißproben für die Welt. In ihm widerspiegelt sich alles Sehnen nach Frieden und alle politische Kälte, Frieden zu verhindern. Es ist ein Konflikt, der scheinbar nur aus Zuspitzung besteht, nur aus Verfestigung, nur aus immer neuem Leid und neuen Stufen auf der Spirale von Haß und Gewalt.
Im Strom der Nachrichten verliert sich allzu oft ein Erkennen, das mehr sein will als nur die Aufrechnung von Fakten. Immer werden es menschliche Geschichten und Biographien sein, die aus Geschichte wieder Leben, aus Politik eine Frage von persönlichem Mut und Versagen, von Gerechtigkeitsgefühl oder Anpassung machen.
Die Rechtsanwältin Felicia Langer gehört zu den Zeuginnen wichtiger Stationen des Weltkonflikts im Nahen Osten, und vor allem: Sie ist eine aktive Kämpferin an vorderster Front geworden – für die Rechte des palästinensischen Volkes. Zugleich ist ihre Lebensgeschichte, die Geschichte einer Jüdin, symptomatisch für Bruchstellen europäischer Historie im 20. Jahrhundert.
Im Dezember 1930 als Tochter jüdischer Intellektueller im polnischen Tarnow geboren, flüchtet sie 1939 vor den Nazis in die Sowjetunion; alle ihre Verwandten werden in deutschen Lagern ermordet. Ihr späterer Mann überlebt fünf Vernichtungsstätten. Ein Wunder. 1950 dann der Weg nach Israel. Ein Weg, der erneut zur Erfahrung von Repression und Haß führt: Eine Jüdin wird leidenschaftliche Anwältin der Palästinenser. Bleibt deren einzige Anwältin – 23 Jahre lang; ein Leben in Jerusalem, ganz aus Mut und Zumutung.
Die Öffentlichkeit als Ort der Isolation. Die Heimat als hartherzige Fremde. Aber Felicia Langer kämpft. Bis die Einsicht größer ist als die Energie der fortwährenden Mühen: Die Gerichte, sagt die Juristin irgendwann, seien »Marktplätze« gewesen, und sie selber fungiere höchstens als »Feigenblatt« für ein »beschämendes System des Unrechts«. 1990 zieht sie die Anwaltsrobe aus, »es war schmerzhaft wie eine Operation«. Die Jüdin, die den Glauben an die Gerechtigkeit im Heiligen Land verlor, geht nach Deutschland. Lebt seither in Tübingen. Andere Städte haben eine Universität, Tübingen ist eine. Der Geist Hölderlins, der weite Atem des deutschen Humanismus, der bis Hans Mayer und Walter Jens reicht.
Hier schreibt sie, nimmt – in ihrer rhetorischen Unbedingtheit – weiter das Wort. Für die Palästinenser, gegen Folter und Vertreibung. Immer fest und sicher »Zwischen Zorn und Hoffnung«, wie ihre Autobiographie hieß.
Der Alternative Nobelpreis ist 1990 der Lohn. Gestiftet für »praktikable, wiederholbare Lösungen zu den drängenden Problemen unserer Zeit«. Mag sein, daß der Nahe Osten Hauptort bleibt, um das Nicht-heil-werden-Können der Welt zu erfahren – Gerechtigkeitsgefühl und Solidarität bleiben wiederholbar; Anklage und Aufstand bleiben praktikabel; und was bedrängt, wird immer auf drängende Menschen wie Felicia Langer stoßen.
Das Buch zeichnet ein Porträt dieser mutigen Frau (Trägerin auch des renommierten Bruno-Kreisky-Preises), das reich ist an Episoden aus Israel – und vor allem Anlaß zum Nachdenken über den gegenwärtigen Stand des Lebens im Brandherd Nahost bietet.

Hans-Dieter Schütt, Jahrgang 1948, studierte Theaterwissenschaften und war bis 1989 Chefredakteur der »Jungen Welt«. Seit 1992 ist er Feuilletonredakteur der Zeitung »Neues Deutschland«. Seine Gesprächsreihe bei Dietz Berlin besteht inzwischen aus zehn Bänden.

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