Schumann/Hervé: Baskenland


Schumann/Hervé: Baskenland

Artikel-Nr.: 01985-3
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Frauengeschichten - Frauengesichter.
Von Gerd Schumann und Florence Hervé
mit Fotos von Mundo Cal.
128 Seiten, 47 Abbildungen, Engl. Broschur.
Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2000

Florence Hervé und Gerd Schumann, beide langjährige KennerInnen des Baskenlandes, suchten und fanden einen Schatz alter und junger, wahrer und erdachter Geschichten von und über Frauen, die der Region ihre geheimnisvolle, kratzbürstige, lebenslustige und widerständige Atmosphäre geben. Die Autoren haben, unterstützt vom galizischen Fotografen Mundo Cal, eine bunte Mischung aus Geschichten, Dokumenten, Reportagen und Interviews über das nördliche (Iparralde) und südliche Baskenland (Hegoalde). zusammengetragen. Im Anhang sorgt eine Landkarte für die Orientierung, ein Glossar für besseres Verstehen und die Literaturliste macht, ebenso wie das ganze Buch, neugierig.
Am Anfang steht der Blick zurück: in einem Gespräch mit Teresa de Valle, Leiterin des Seminars für Frauenstudien an der Universität von San Sebastian, wird die soziale und ökonomische Entwicklung des Baskenlandes der Frauen in einem Schnelldurchgang durchstreift. Streben nach Selbstständigkeit, so erfahren wir aus Reiseaufzeichnungen des alten Wilhelm von Humboldt (1801), gehört ebenso zu den Wesensmerkmalen (nicht nur) der baskischen Frauen, wie das ausgeprägte soziale gesellschaftliche Zusammenleben. Traditionell kam den Frauen innerhalb der Familien eine gehobene Stellung zu. Die ausgewählten Texte beleuchten die Geschichte des Baskenlandes von unerwarteten Seiten: man lernt die weiblichen Zauberwesen kennen, von denen es in den Bergen und Höhlen nur so wimmelt: die laminaks, hadas und sorginaks Zu deren Zusammenkünften versammeln sich schon mal bis zu 12.000 ihrer zauberhaften Art. Auch die dunkle Seite wird nicht vergessen: im 16. und 17. Jahrhundert wurden tausende von Menschen wegen vermeintlicher Hexerei auf den Scheiterhaufen verbrannt. 1672 stoppten aber 5000 Fischer in Saint Jean de Luc (Donibane Lohitzun) den Marsch der Frauen zum Scheiterhaufen und befreiten alle. Es waren ihre Ehefrauen. Eine Mitarbeiterin des Museums der Baskenmütze erzählt die Geschichte der typischen Kopfbedeckung, man lernt die erste baskische Fotografin Eulalia Allende kennen, die seit 1873 die industrielle Revolution im Baskenland dokumentierte und – last but not least – wird Dolores Ibarruri, la Pasionara, gewürdigt, Mitbegründerin der spanischen KP (1920), bekannt durch ihren entschiedenen Ausruf No Pasaran! mit dem die Widerstandskämpfer 1936 die Eroberung Madrids durch faschistische Truppen stoppten.
Auf der Reise durch Iparralde, den baskischen Norden, begegnen wir einer Angelfischerin, ehemaligen Kämpferinnen der Resistance, die im KZ Ravensbrück inhaftiert waren, Schriftstellerinnen, einer Lehrerin, einer Sängerin und zwei politischen Flüchtlingen, Baskinnen aus dem Süden. Nicht zu vergessen, die Weltmeisterin im urbaskischen Pelota-Sport. Was das ist? Auch das wird natürlich anschaulich erklärt. Die Reise durch den baskischen Süden, Hegoalde, beginnt in Bilbao. Nach und nach durchstreifen die Autoren die vier südlichen Provinzen, treffen eine Schauspielerin, eine Schriftstellerin, eine Buchhändlerin, eine Frau Bürgermeisterin und viele Frauengesichter und deren Geschichten mehr. Die Dame von Gernika, die 12 war, als die nazideutsche Legion Condor ihre Stadt in Schutt und Asche legte, erzählt ihre Geschichte.
Die Autoren haben die Frauengeschichten und -gesichter respektvoll, voller Zuneigung ausgesucht. Da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, schließt das Buch mit Rezepten ab: Marmitako, Menestra, Ttoro – wer wissen möchte, was das ist und wie es zubereitet wird, findet nähere Angaben dazu, garniert mit ein paar Geschichten zum Vorlesen bei verschiedenen Gelegenheiten. Das Buch ist eine gelungene Anregung zum Anders Reisen und im übrigen: nicht nur für Frauen geeignet.

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